Bis anhin aus China in grossen Mengen importiert, bemühte man sich hierzulande angestrengt um eine eigene Herstellung und Produktion. Anfang des 18. Jahrhunderts gelang endlich der Durchbruch, und Porzellan wurde zum ersten Mal auch in Europa produziert, genauer gesagt in Meissen, dessen Porzellan-Manufaktur 2010 ihr 300-Jahr-Jubiläum feiert. Porzellan ist ein Luxusgut, das man sich bis heute einiges kosten lässt. Tafelservices ebenso wie repräsentative Einzelwerke waren beliebte Geschenkartikel unter der Aristokratie, und diese Tatsache änderte die Ess- und Tafelkultur. Manufakturen wie Meissen, Nymphenburg, Hutschenreuther oder die weltberühmte ungarische Herend-Manufaktur hatten im 19. Jahrhundert ihre erste Hochblüte. War Porzellan einst nur den aristokratischen Kreisen vorbehalten, wandelte sich dessen Verwendung und sein Renommee mit der Industrialisierung vollkommen: Porzellan hielt Einzug in die bürgerliche Wohnstube. Aus den höfischen Preziosen wurde ein Massenartikel. Heute werden alte Entwürfe aus dieser Zeit neu aufgelegt. Aufgrund seiner Härte und Isolierqualitäten hat das Material auch die Industrie und Medizin erobert. Im Laufe der Zeit wurde es im Bereich der Autoproduktion und Elektronik verwendet, heute wird es zudem in der Raumfahrt eingesetzt. Seit jeher begeistert die Transparenz des Stoffes auch Gestalterinnen und Künstler. Das Genre der Porzellanfiguren, welches nach seiner Blüte im 18. Jahrhundert im Jugendstil noch einmal eine bemerkenswerte Phase erlebte, scheint derzeit ein aktualisiertes Revival zu erleben. Faszinierend ist es, zu sehen, welche Möglichkeiten dieses Material bietet. Sperrige Produktionsprozesse halten Kunstschaffende meist nicht von Experimenten ab. Anhand von Objekten namhafter Designer und Künstlerinnen wird ein neuer Umgang mit traditionellen Themen wie dem Tafelaufsatz oder der Figur gezeigt, aber auch Industrieprodukte und zeitgenössisches Design kommen zum Zug. www.museum-bellerive.ch |